Berlin, 17.04.2026 (lifePR) – Am gestrigen Donnerstag hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bekannt gegeben, dass die vom Hersteller Eli Lilly vorgelegten Studiendaten keinen Zusatznutzen des Wirkstoffs Donanemab – Handelsname Kisunla – bei früher Alzheimer-Krankheit im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard belegen. Eine ähnliche Entscheidung ist bereits im Februar dieses Jahres bezüglich des Wirkstoffs Lecanemab gefallen.

Beide Wirkstoffe haben durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA im vergangenen Jahr eine Zulassung für die EU und damit auch für Deutschland erhalten. Die Entscheidung des G-BA hat aber Einfluss auf die Höhe des Preises, zu dem Arzneimittel von den Krankenkassen erstattet werden. Sollte der Preis zu niedrig sein, werden die Hersteller das Präparat – zumindest für gesetzlich Versicherte – in Deutschland wahrscheinlich vom Markt nehmen.

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft übt deutliche Kritik an der stark polarisierenden Diskussion rund um die Zulassung und die Nutzenbewertung zu diesen Medikamenten.

„Hier wird mit den Hoffnungen und Ängsten von Menschen Politik betrieben und versucht Profite zu machen“, sagt Swen Staack, 1. Vorsitzender der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

„Von Anfang an wurde – sicherlich unterstützt durch die Pharmafirmen – auch über die Medien die Erwartung eines bahnbrechenden Durchbruchs bei der Behandlung der Alzheimer-Krankheit erzeugt. Diese Erwartung ist angesichts der vorliegenden Studien überzogen, egal wie die Daten interpretiert werden. Für die Forschung sind die Medikamente dennoch mit viel Hoffnung verbunden, dass nun ein Weg in die richtige Richtung zur Bekämpfung der Alzheimer-Krankheit gefunden wurde. Aber man darf Hoffnung nicht mit Evidenz verwechseln. Für Laien sind die Diskussionen rund um die Zulassung und Bewertung nicht nachvollziehbar und nicht durchschaubar“, so Staack weiter.

„Der ganze Prozess rund um die Zulassung dieser neuen Medikamente ist nicht zielführend, wenn es um eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Demenz in Deutschland geht“, ergänzt Lilja Helms, 2. Vorsitzende des Vereins. "Seit dem letzten Jahrgeht es in der öffentlichen Diskussion nur noch um die Alzheimer-Krankheit, nur noch um das frühe Krankheitsstadium und nur noch um medikamentöse Behandlungsansätze. All die Menschen, die in Deutschland für eine Behandlung mit diesen Medikamenten nicht infrage kommen – weil die Krankheit zu weit fortgeschritten ist, weil sie an einer anderen Demenzform erkrankt sind, oder weil auf sie einer der vielen Ausschlussgründe für die Therapie zutrifft, geraten aus dem Blick. Und ganz wichtig: Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behandlungsmöglichkeiten, deren Effekte auf den Verlauf der Krankheit seit langem bekannt und nachgewiesen sind. Dazu gehören neben Medikamenten auch nicht-medikamentöse Ansätze wie Ergotherapie, Hirnleistungs- und körperliches Training.“

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