Stuttgart, 22.07.2026 (lifePR) – Zum Tag des Gehirns am 22. Juli richtet AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V., den Blick auf das Organ, das bei Multipler Sklerose (MS) besonders betroffen ist: das Gehirn. Es besteht aus bis zu 100 Milliarden Nervenzellen oder „Neuronen“. Zusammen mit dem Rückenmark bildet es das Zentrale Nervensystem (ZNS). Bei der Autoimmunerkrankung MS gelangen fehlgeleitete Immunzellen in das Gehirn, greifen körpereigene Zellen an und zerstören die Schutzschicht der Nervenfasern, so dass deren Leitfähigkeit beeinträchtigt wird.
Entzündungsherde stören die Kommunikation im Gehirn
Der Angriff des Immunsystems auf das Zentrale Nervensystem führt zu Entzündungsherden, sogenannten Läsionen. Sie entstehen, wenn die schützenden Myelinscheiden der Nervenfasern zerstört werden. Mithilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) lassen sich diese Veränderungen sichtbar machen und sie sind ein wichtiger Baustein der Diagnose und Verlaufskontrolle. Eine von Myelin umhüllte Nervenfaser kann einen Nervenimpuls etwa zehnmal schneller weiterleiten als eine, bei der die Myelinscheide fehlt. Die gestörte oder blockierte Weiterleitung von Nervensignalen kann zu zahlreichen Beschwerden führen wie Sehstörungen, motorischen und kognitiven Einschränkungen oder abnormaler Erschöpfung (Fatigue).
Nicht jede Läsion verursacht jedoch unmittelbar Symptome. Entscheidend ist, welche Nervenbahnen betroffen sind und welche Aufgaben sie im Gehirn oder Rückenmark erfüllen.
Das Gehirn kann vieles ausgleichen – aber nicht unbegrenzt
Das menschliche Gehirn besitzt die Fähigkeit, Schäden zumindest teilweise zu kompensieren. Andere Nervenzellen und Nervenbahnen können Aufgaben übernehmen und gestörte Verbindungen zeitweise ausgleichen. Diese Anpassungsfähigkeit trägt dazu bei, dass manche MS-Erkrankte trotz neuer Entzündungsherde zunächst keine oder nur geringe Beschwerden bemerken. Mit fortschreitender Erkrankung stößt das Gehirn jedoch an Grenzen. Heute weiß man, dass bei MS nicht nur die Myelinscheiden, sondern auch Nervenzellen und ihre Verbindungen (Synapsen) in der grauen Hirnsubstanz direkt geschädigt werden. Wiederkehrende Entzündungen und der Verlust von Nervengewebe können langfristig dazu beitragen, dass körperliche und kognitive Einschränkungen zunehmen. Zudem schrumpft bei MS das Gehirn durch den Verlust von Nervengewebe schneller als im normalen Alterungsprozess. Das Ausmaß dieses Hirnvolumenverlustes steht häufig mit dem Ausmaß körperlicher und kognitiver Einschränkungen im Zusammenhang.
Das Gehirn verstehen – MS besser begegnen
Das Gehirn ist das wichtigste menschliche Steuerungszentrum. Bei Menschen mit Multipler Sklerose entscheidet seine Gesundheit darüber, wie gut beispielsweise Bewegungen, Sehen, Denken oder das Gleichgewicht funktionieren. Der Tag des Gehirns erinnert daran, wie wichtig eine frühe Diagnose, moderne Therapien und ein besseres öffentliches Verständnis der Erkrankung sind. Seit über 50 Jahren informiert AMSEL über Multiple Sklerose, unterstützt Erkrankte und ihre Angehörige und setzt sich für eine bessere Versorgung und gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit MS ein. Weitere Informationen unter www.amsel.de