München, 18.08.2026 (lifePR) – Nah am Fels, gesichert am Stahlseil und oft mit atemberaubenden Ausblicken: Klettersteige haben ihren besonderen Reiz. Damit das Bergerlebnis sicher bleibt, ist eine sorgfältig ausgewählte Ausrüstung entscheidend. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Klettersteigset. Worauf Verbraucher bei der Auswahl achten sollten, erklärt Benedikt Trübenbacher, Produktexperte bei TÜV SÜD.
„Ein Klettersteigset ist als persönliche Schutzausrüstung ein sicherheitsrelevantes Produkt beim Begehen von Klettersteigen. Es soll im Fall eines Sturzes die auf den Körper wirkenden Kräfte reduzieren und die Verbindung zum Klettersteig halten“, sagt Benedikt Trübenbacher. Bei der Auswahl spielen Gewicht, Preis und Packmaß zwar eine Rolle. Entscheidend ist jedoch vor allem, dass das Set zur ausgewählten Tour passt und sich sicher bedienen lässt. Die Sicherheitsangaben des Herstellers müssen eindeutig und nachvollziehbar sein.
Zentrale Verbindung zum Sicherungsseil
Ein Klettersteigset besteht in der Regel aus zwei Sicherungsarmen mit Karabinern und einem Bandfalldämpfer. Die beiden Karabiner werden während der Tour am Stahlseil geführt und an Zwischensicherungen nacheinander umgehängt. So bleibt während des Umhängens stets mindestens ein Karabiner am Stahlseil eingehängt. Der Bandfalldämpfer ist das zentrale Element des Sets: Er soll bei einem Sturz Energie aufnehmen und den Fangstoß reduzieren.
„Die Handhabung muss vor der Tour sitzen. Wer erst in ausgesetztem Gelände überlegt, wie sich die Karabiner öffnen oder umhängen lassen, bringt sich unnötig in Stress und Gefahr“, erklärt der Produktexperte. Verbraucher sollten ein Klettersteigset deshalb nach Möglichkeit im Fachhandel ausprobieren und prüfen, ob sich Karabiner, Sicherungsarme und die Befestigung am Klettergurt gut handhaben lassen.
Sichere Bedienung im Gelände
Im Klettersteig werden die Karabiner regelmäßig umgehängt – oft an steilen Passagen, mit Handschuhen oder unter körperlicher Belastung. Sie sollten gut in der Hand liegen, sich kontrolliert öffnen lassen, anschließend zuverlässig schließen und sicher verriegeln. Wichtig ist ein Verschlussmechanismus, der eindeutig bedienbar ist, nicht hakt und sich nicht unbeabsichtigt öffnet. Praktisch sind außerdem elastische Sicherungsarme, da sie beim Gehen weniger stören und beim Umhängen mehr Bewegungsfreiheit bieten. Auch ein Verdrehschutz kann hilfreich sein, damit sich die Arme nicht ständig ineinander verdrehen.
Komfortmerkmale wie geringes Gewicht, kompaktes Packmaß oder elastische Bänder können die Nutzung erleichtern, aber sie dürfen nie wichtiger sein als eine sichere Bedienung und die Eignung für die jeweilige Person. Das Klettersteigset sollte nicht mit einer Rastschlinge verwechselt werden. Diese dient dazu, sich zwischendurch zu entlasten, ersetzt aber nicht die Sicherung über die beiden Karabiner des Klettersteigsets. Beim Rasten müssen die Sicherungsarme weiterhin korrekt am Stahlseil eingehängt bleiben.
Gewichtsspanne nicht unterschätzen
Ein besonders wichtiger Punkt ist die vom Hersteller angegebene Gewichtsspanne. Sie zeigt an, für welches Nutzergewicht das Klettersteigset vorgesehen ist. Maßgeblich ist je nach Angabe nicht allein das Körpergewicht, sondern das Gesamtgewicht einschließlich Bekleidung, Rucksack und weiterer mitgeführter Ausrüstung. Die aktuelle DIN EN 958 legt die sicherheitstechnischen Anforderungen und Prüfverfahren für Klettersteigsets fest. Sie bezieht sich auf Anwender mit einem Gesamtgewicht von mindestens 40 Kilogramm ohne Ausrüstung und höchstens 120 Kilogramm Gesamtgewicht einschließlich Ausrüstung. „Gerade bei Kindern und sehr leichten Personen sollten die Angaben zur zulässigen Gewichtsspanne sorgfältig geprüft werden“, so Benedikt Trübenbacher. Liegt das tatsächliche Gewicht unterhalb der angegebenen Spanne, kann eine zusätzliche Sicherung oder eine andere Sicherungsmethode notwendig sein. Die obere Grenze ist ebenso verbindlich: Das Maximalgewicht darf nicht überschritten werden, da die Sets oberhalb dieser Grenze nicht geprüft sind und ein Versagen oder Bruch nicht ausgeschlossen werden kann.
Kennzeichnung, Prüfung und Sicherheitsanforderungen
Auch Kennzeichnung und Herstellerinformationen verdienen einen genauen Blick. Klettersteigsets gehören zur persönlichen Schutzausrüstung und müssen die geltenden Sicherheitsanforderungen erfüllen. Dazu zählen unter anderem Angaben zur einschlägigen Norm, eine CE-Kennzeichnung, Hinweise zur zulässigen Gewichtsspanne sowie Informationen zur richtigen Anwendung, Lagerung, Kontrolle und Lebensdauer. Beim Neukauf sollten Verbraucher darauf achten, dass das Set dem aktuellen Normstand entspricht. Bei älteren oder gebrauchten Sets sind die Normangabe, das Herstellungsjahr, die Gebrauchsanweisung und mögliche Rückrufe besonders kritisch zu prüfen.
TÜV SÜD prüft persönliche Schutzausrüstung beispielsweise auf mechanische Sicherheit und bewertet die Konformität mit geltenden Anforderungen. Im Bereich Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz zählen dazu beispielsweise Karabiner, Bandfalldämpfer, Verbindungsmittel und weitere sicherheitsrelevante Ausrüstung.
Zustand und Lebensdauer beachten
Klettersteigsets müssen regelmäßig kontrolliert werden. Vor jeder Tour sollten Karabiner, Verschlüsse, Nähte, Bänder, die Einbindeschlaufe und der Bandfalldämpfer auf sichtbare Schäden geprüft werden. Risse, Scheuerstellen, Verformungen, schwergängige bzw. klemmende Karabiner oder ein ausgelöster Bandfalldämpfer sind klare Warnzeichen. Ein ausgelöster Bandfalldämpfer ist kein normales Gebrauchssignal, sondern bedeutet, dass das Set ausgetauscht werden muss. Klettersteigsets sind darauf ausgelegt, im Sturzfall Energie aufzunehmen. Nach einer entsprechenden Belastung dürfen sie nicht weiterverwendet werden.
Auch die Alterung spielt eine Rolle. Textiles Material kann durch UV-Strahlung, Feuchtigkeit, Schmutz oder falsche Lagerung an Festigkeit verlieren. Verbraucher sollten deshalb die Gebrauchsanweisung und die vom Hersteller angegebene Lebensdauer beachten. Nach einem größeren Sturz oder bei unklarer Vorgeschichte sollte das Set ausgetauscht werden. Beim Kauf gebrauchter Klettersteigsets ist ebenfalls Vorsicht geboten: Auf den ersten Blick ist nicht immer erkennbar, ob ein Produkt bereits stark belastet wurde.
Sicherheit beginnt vor dem Einstieg
Ein Klettersteigset allein reicht für eine sichere Tour jedoch nicht aus. Zur Grundausrüstung gehören außerdem ein passender Klettergurt, ein Berghelm, geeignete Schuhe und Handschuhe. Der Helm schützt sowohl bei einem Sturz als auch vor Steinschlag. Handschuhe können die Hände vor Verletzungen durch das Stahlseil schützen. Ebenso wichtig sind eine gründliche Vorbereitung und eine realistische Selbsteinschätzung. Schwierigkeit, Länge, Wetter, Zustieg und Abstieg sollten vorab geprüft werden. Bei Nässe, Gewittergefahr oder Unsicherheit ist es besser, auf die Tour zu verzichten oder eine einfachere Route zu wählen.
„Sichere und passende Ausrüstung, eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten und eine sorgfältige Tourenplanung gehören am Klettersteig zusammen. Wer diese Punkte berücksichtigt, reduziert unnötige Risiken“, fasst der TÜV SÜD-Experte zusammen.
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